Fallbeispiel mit 14 Bildern: mehrere Veneers im Oberkiefer
Planungs- und Vorbehandlungsphase
Hierzu gehört die Ursachenanalyse von Verfärbungen und gegebenenfalls die vorherige Aufhellung starker Diskolorationen mittels Bleichtherapie ebenso wie die Möglichkeit einer kieferorthopädischen Vorbehandlung zur Verbesserung der Zahnstellung oder die vorausgehende Notwendigkeit einer Bisshebung im Seitenzahnbereich bei vertikalem Höhenverlust. Auch eine eventuell notwendige Korrektur eines unregelmäßigen, disharmonischen Verlaufs der marginalen Gingiva durch einen parodontalchirurgischen Eingriff sollte sorgfältig erwogen werden.
Um eine optimale Funktion und Ästhetik zu gewährleisten, ist es hierbei wichtig, den Zahntechniker von Anfang an in diesen Planungsprozess zu integrieren. Im Rahmen der ästhetischen Analyse wird die Verteilung der verschiedenen Farbschattierungen und der transluzenten/opaken Zahnbereiche im zu restaurierenden Gebiet ebenso ermittelt wie der altersentsprechende Aufbau der Restaurationen mit entsprechenden individuellen Charakteristika (z. B. Schmelzrisse) und passender Oberflächentextur. Eine für den jeweiligen Patienten spezifische, optimale Zahnstellung und Form der Veneers wird angestrebt.
Die Dokumentation der Ausgangssituation mit digitaler Fotografie und einartikulierten Planungsmodellen ist zu empfehlen. Bei geplanten größeren Veränderungen leistet ein im Dentallabor hergestelltes präoperatives Wax-up bzw. die Anfertigung einer diagnostischen Schablone sehr gute Dienste, um einerseits dem Zahnarzt ein minimalinvasives Beschleifen nur an den dafür notwendigen Stellen zu erlauben und andererseits dem Patienten das Veränderungspotenzial durch die Verblendschalen vor Beginn der Präparation zu visualisieren. Für ein Optimum an Ästhetik und Funktion ist somit eine gute Kommunikation und Zusammenarbeit mit dem Zahntechniker eine unabdingbare Grundvoraussetzung.
Kleinere Veränderungen können dem Patienten direkt durch den Zahnarzt auch durch temporäre intraorale additive Modellation mit Kompositmaterialien auf den unbehandelten und nicht präparierten Zähnen gezeigt werden (Mock-up). Ein reales Wax-up oder Mock-up hat einen deutlich höheren Informationswert als lediglich ein „virtuelles Mock-up“ durch digitale Bildbearbeitung am Computerbildschirm.
Möglichkeiten der Veneerpräparation
Generell unterscheidet man drei verschiedene Präparationstypen. Der Zahnarzt präpariert normalerweise immer die ganzen Labialflächen der betroffenen Frontzähne in minimalinvasiver Art und Weise. Dabei wird eine dünne Schicht des Zahnschmelzes (0,3 mm bis 0,7 mm) abgetragen. Um lediglich die erforderliche Schmelzschicht und nicht zusätzliche Hartsubstanz darüber hinaus abzutragen, empfiehlt sich die Verwendung von speziellen Schleifkörpern zur Anlegung von Tiefenmarkierungen. Mit Feinkorndiamanten wird anschließend der zwischen den Markierungen noch befindliche Zahnschmelz auf die vorgewählte Tiefe reduziert.
Im Bereich der seitlichen Zahnbegrenzungen wird in der Regel bis an die approximalen Kontaktbereiche heranpräpariert, ohne diese aufzulösen (Ausnahmen: Neugestaltung der Approximalbereiche bei Lückenschluss oder sehr stark verfärbte Zähne). Lediglich bei der Präparation der Schneidekante unterscheiden sich die drei Präparationstypen je nach klinischer Situation:
- Veneer mit rein labialer Schmelzreduktion und Abtrag der Schneidekante in oro-vestibulärer Ausdehnung bis etwa zur Hälfte (klassisches „Kontaktlinsenveneer“)
- Veneer mit zusätzlicher inzisal-horizontaler Reduktion und oraler Einfassung der Schneidekante (inzisale Überkappung)
- Veneer mit zusätzlicher inzisal-horizontaler Reduktion der Schneidekante (inzisale Stufe)
Sind an den betroffenen Zähnen alte Kompositfüllungen vorhanden, so können diese in die Präparation einbezogen werden, falls sie klinisch akzeptabel sind und keine undichten Ränder oder andere Problemstellen aufweisen. Gegebenenfalls müssen sie vor der Veneerpräparation erneuert werden. Man sollte allerdings genau überlegen, ob man den Rand des Keramikveneers anstatt in gesundem Zahnschmelz in einer (alten) Kompositfüllung verankern möchte. Meistens ist es sinnvoll, die Präparation etwas auszudehnen, um die äußere Veneerbegrenzung in gesunde Zahnhartsubstanz zu verlegen. Einwandfreie Kompositfüllungen, welche durch das Veneer komplett nach außen überdeckt werden, können problemlos belassen werden.
In Fällen, in denen die Präparation nur auf den Zahnschmelz limitiert ist, handelt es sich um eine schmerzfreie Behandlung und das Beschleifen kann normalerweise ohne Anästhesie erfolgen. Im Anschluss an die Präparation erfolgen durch den Behandler Abformungen des betroffenen Kiefers und des Gegenkiefers, welche an das Zahntechniklabor zur Modellherstellung und Anfertigung der Veneers weitergereicht werden. Falls notwendig werden noch eine Registrierung der Kieferrelation (Bissregistrierung) und eine schädelbezügliche Registrierung (Schnellübertragungsbogen) vorgenommen.
Während der Laborphase werden die betroffenen Zähne mit Provisorien versorgt. Liegen die Präparationen rein im Schmelz der betroffenen Zähne und ist es aus kosmetischer Sicht nicht notwendig, so kann auf ein Provisorium verzichtet werden.
Befestigung der Veneers
Nach Herstellung der Veneers im Dentallabor erfolgt die Kontrolle der Passung jedes einzelnen Veneers am Patienten. Bei mehreren Verblendschalen wird noch eine gemeinsame Einprobe sämtlicher Veneers vorgenommen, um die approximale Kontaktsituation zu prüfen und eine Einsetzreihenfolge festzulegen.
Die Überprüfung der Farb- und Transparenzgestaltung erfolgt mit Try-in-Pasten, welche in ihrer Einfärbung dem ausgehärteten Kompositkleber entsprechen. Über diese temporäre optische Ankoppelung wird die Luft im Zementspalt eliminiert, die aufgrund der Änderung des Lichtbrechungsverhaltens zu einem falschen Eindruck führen würde. Um eine Austrocknung der Zähne und die damit verbundene reversible Aufhellung zu vermeiden, muss diese Kontrolle selbstverständlich vor Anlegen von Kofferdam erfolgen.
Fallbeispiel mit 14 Bildern: mehrere Veneers im Oberkiefer
Quelle: Dr. Manhart, München Moderne Zahnheilkunde - Therapie in Wort und Bild
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