Sensibilitätstests
Bild: pixelio/Benjamin Thorn
Ob eine Pulpa (noch) vital ist oder ob eine Entzündung vorliegt, lässt sich mit Sensibilitätstests nicht feststellen. Wohl aber, ob pulpale Nervenfasern auf bestimmte Reize reagieren.

Mit den zur Verfügung stehenden Testmethoden ist es nicht möglich, die Vitalität der Pulpa (d. h. die Blutzirkulation) oder das Vorliegen einer Entzündung zu ermitteln. Es kann lediglich die Sensibilität bzw. Leitfähigkeit der pulpalen Nervenfasern (Aδ-Fasern) auf bestimmte thermische oder elektrische Reize überprüft werden. Da es keine absoluten Schwellenwerte für die Reizwahrnehmung gibt, müssen immer auch die Nachbarzähne bzw. der kontralaterale Zahn kontrolliert werden, um die Unterschiede in der Schmerzantwort beurteilen zu können.

-> Um eine aussagekräftige Reaktion des Patienten zu erhalten, darf niemals mit dem schmerzenden Zahn begonnen werden.

Kältetest

Dieser Test kann mit CO2-Schnee (–78 °C) oder Dichlordifluormethan (DDM) (–50 °C) durchgeführt werden. Diese extremen Temperaturen führen jedoch nicht, wie ursprünglich vermutet, zu Dentinrissen oder Pulpaschädigungen. Die Anwendung von Äthylchlorid (–4 °C) scheint aufgrund der geringeren Temperaturerniedrigung weniger verlässlich zu sein. Ein positiver Kältetest sagt aus, dass sich leitfähige Nervenfasern in der Pulpa befinden. Er gibt jedoch keine Auskunft darüber, ob eine Entzündung reversibel oder irreversibel ist. Eine negative Antwort auf den Kältetest bedeutet in etwa 89 % der Fälle, dass die Pulpa nekrotisch und eine Wurzelkanalbehandlung indiziert ist.

-> Der Kältetest ist zuverlässiger als die Untersuchung mit Wärme oder elektrischem Strom.

Wärmetest

Der Wärmetest kann entweder mit einer erhitzten Guttaperchastange (Zahnoberfläche vorher mit Vaseline isolieren) oder mit heißem Wasser durchgeführt werden, das unter Kofferdamisolierung des betroffenen Zahnes mit einer Spritze appliziert wird. Die Wärmeapplikation darf daher eine Dauer von fünf Sekunden nicht überschreiten. Die Unterscheidung zwischen einer reversiblen bzw. irreversiblen Pulpitis kann damit nicht getroffen werden. Ein negativer Wärmetest weist auf eine Nekrose der Pulpa hin.

Elektrischer Test

Elektrische Pulpatester erzeugen variable elektrische Stromspannungen, durch die eine Reizung der pulpalen Nervenfasern verursacht wird. Es besteht keine Korrelation zwischen der elektrischen Reizschwelle und dem Zustand der Pulpa. Das Messergebnis stellt daher keine quantitative Messung dar und gibt keinen Anhaltspunkt darüber, in welchem Ausmaß die Pulpa gesund bzw. erkrankt ist. Um eine Weiterleitung des Stroms auf die Nachbarzähne zu verhindern, sollten kleine Kofferdamstreifen in die Approximalräume eingeführt werden. Ausgedehnte Füllungen oder Restaurationen behindern unter Umständen den Stromfluss, sodass kein korrektes Resultat erzielt werden kann.

-> Bei jugendlichen Zähnen mit nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum ist dieser Test nicht aussagekräftig, da der Raschkow’sche Nervenplexus noch nicht vollständig ausgebildet ist. In diesen Fällen ist der Kältetest am besten geeignet.

Bei Patienten mit Herzschrittmachern oder Kardioverter-Defibrillatoren ist die Anwendung von elektrischen Sensibilitätsprüfern unter Umständen möglich.

-> Der behandelnde Kardiologe bzw. Internist sollte unbedingt vor Gebrauch dieser Geräte konsultiert werden, wobei das Ergebnis in der Patientenakte festzuhalten ist.

Die offizielle Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde von 1996, die auch aus forensischen Gründen bedeutsam ist, empfiehlt bei der Verwendung elektromedizinischer Geräte eine exakte Erhebung der Anamnese, Behandlung unter permanenter Puls- bzw. Monitorkontrolle und Rücksprache mit dem Internisten bzw. Kardiologen (DGZMK-Stellungnahme 1996).

Testkavität

Bei ausgedehnten Restaurationen oder massiver Reizdentinbildung sind thermische und elektrische Tests unter Umständen nicht aussagekräftig, sodass die Präparation einer kleinen Testkavität ohne Lokalanästhesie erwogen werden kann. Ein positives Testergebnis liegt vor, wenn der Patient eine Schmerzsensation angibt.

Auszug aus: "Grundlagen der modernen Endodontie" von Tina Rödig, Michael Hülsmann, Sabine Nordmeyer, Steffi Drebenstedt
-> Nähere Informationen zu diesem Fachbuch finden Sie hier.

 

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